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Geschichte der Romanistik

Die französische Sprache wird seit über 350 Jahren an unserer Universität gelehrt. Wissenschaftliche Begeisterung und Forschung zu verschiedenen romanischen Sprachen und den mit ihnen verbundenen Kulturen und Literaturen prägt die hiesige Lehre seit mehr als 300 Jahren.

18. JAHRHUNDERT
ab 1750 - Französisch wird von Sprachmeistern (später: Lektoren) gelehrt.
1776 - In den Vorlesungsverzeichnissen werden italienische Sprachkurse angeführt.

19. JAHRHUNDERT
1802 - Der Adjunctus Ernst Moritz Arndt kündigt für das Sommersemester die
Lehrveranstaltung 'Erklärung italienischer und französischer Meisterwerke' an.
1821 - Die Kurse des französischen Lektors werden nicht mehr unter 'Künste und Fertigkeiten', sondern unter 'Philologie' aufgeführt. Vertreter von Nachbarfächern bieten Lehrveranstaltungen zu romanischen Sprachen an, so der klassische Philologe Ahlwardt Kurse in Spanisch, Portugiesisch und Italienisch (bis 1825).
1826-28 - Der Adjunctus Wortberg liest über französische Metrik.
1827-32 - Der Historiker Kannegiesser erteilt Unterricht in der italienischen Sprache.
1852 - Dr. Bernhard Schmitz, Lehrer am Gymnasium in Greifswald, wird als 'Lektor für neuere Sprachen' fest angestellt. Neben dem Englischen widmet er sich hauptsächlich dem Französischen.
1855 - Dr. Bernhard Schmitz hält erstmalig Lehrveranstaltungen zur Geschichte der französischen Literatur ab. Es folgen ab 1862 Lehrveranstaltungen zur altfranzösischen und 1878 einmalig zur Literaturgeschichte neuerer Zeit.
1869 - In den Vorlesungsverzeichnissen erscheinen Übungen eines 'Seminars für französisch-englische Philologie', doch kann dieses Seminar noch nicht als Einrichtung wissenschaftlichen Charakters angesehen werden, da es vorwiegend der Abhaltung von Sprachübungen dient.
1878 - Schaffung eines Ordinariats für neuere Sprachen. Die Besetzung scheitert zunächst noch an der Personalfrage.
1879 - Der Lektor und Privatdozent der Anglistik Varnhagen wirkt neben Schmitz. Als erster in Greifswald wird er eine 'Historische Grammatik der französischen Sprache' lesen und Übungen an altfranzösischen Texten abhalten.
1881 - Der Philosophischen Fakultät gelingt es, für den noch unbesetzten Lehrstuhl einen der bedeutendsten Romanisten seiner Zeit zu gewinnen: Eduard Koschwitz.
1886 - Am 19. März erfolgt die endgültige etatmäßige Begründung des Seminars mit einer Dotation von jährlich insgesamt 600 Reichsmark. In den folgenden Jahren wechselt der Name des Seminars mehrfach: 'Romanisch-Englisches Seminar', 'Neuphilologisches Seminar', 'Seminar für neuere Philologie'.
1894 - Die 'Grammaire historique de la langue des félibres' von Koschwitz erscheint. Nach längeren Studienreisen nach Frankreich gehört Koschwitz zu den ersten deutschen Romanisten, die das Neuprovenzalische in Lehre und Forschung einbeziehen.
1895 - Für die vom Seminar eingerichteten Ferienkurse werden französische Gastlektoren gewonnen.
1896 - Mit der Berufung des Marburger Romanisten Edmund Stengel tritt ein Wandel in der akademischen Lehre und Forschung im Sinne einer ausschließlichen Orientierung auf das romanische Mittelalter ein. Stengel hat sich durch die Herausgabe kritischer Texte von Werken der französischen und provenzalischen mittelalterlichen Literatur und durch die Sicherung philologischer Grundlagen ein bleibendes Verdienst in der Romanistik erworben. Bei seinem Amtsantritt wird wieder ein französisches Lektorat errichtet, das von einem Franzosen geleitet wird.

20. JAHRHUNDERT
1897-1919 - Durch die Mitgliedschaft Stengels im Greifswalder Bürgerschaftlichen Kollegium ist sein Name eng mit der Entwicklung der Stadt verbunden.
1901-24 - Ferdinand Heuckenkamp ist Mitdirektor des Instituts. Er wendet sich in erster Linie der Sprache und Literatur des Mittelalters und der folgenden Epochen, der Einführung in das Studium der romanischen Sprachen sowie der phonetischen Schulung der Studierenden zu. Auch italienische und spanische Übungen werden von ihm getragen.
1911 - Durch ministerielle Verfügung werden die beiden Abteilungen des bisherigen Seminars voneinander getrennt. Das Romanische Seminar besteht von da an als selbständige Einrichtung neben dem Englischen Seminar.
1913-18 - Durch den Nachfolger Stengels, Gustav Thurau, der schon seit 1907 als Privatdozent in Greifswald wirkt, erfährt die Lehre eine ausgesprochene Hinwendung zur neueren und neuesten französischen Literatur. Auch dem Spanischen und der italienischen Literatur wird wieder zu ihrem Recht verholfen.
1918-21 - Nachfolger Thuraus ist Alfons Hilka (späterer Ordinarius in Göttingen). Die Stoffgebiete werden erweitert durch Mittellatein, neuere italienische Literatur; das Spanische und Italienische werden stärker betont und schließlich das Rumänische in die Lehre miteinbezogen.
1921-28 - Erhard Lommatzsch ist neuer Ordinarius. Die Hispanistik wird zum festen Bestandteil der Lehrveranstaltungen.
1929-1932 - Der neue Ordinarius Eduard von Jan widmet der neueren und neuesten französischen Literatur ebenso wie der Literatur des Mittelalters und der sprachwissenschaftlichen Seite des Faches große Aufmerksamkeit. Hervorzuheben sind seine Hinwendung zur stärkeren landeskundlichen Ausbildung seiner Studenten sowie seine Kolloquien für Examenskandidaten als Neuerung. Mit ca. 100 Studenten erreichen die Immatrikulationszahlen des Romanischen Seminars ihren bisher höchsten Stand.
1932-1945 - Seminardirektor Hellmuth Petriconi pflegt insbesondere die neuere französische und spanische Literatur. Innerhalb der Hispanistik werden auch die Geschichte und Kultur Spanisch-Amerikas behandelt.
1933-1940 - Die von H. Petriconi, F. Dornseiff und B. Lilljegren herausgegebenen 'Greifswalder Beiträge zur Literatur- und Stilforschung' erscheinen.
1934 - Den linguistischen Teil der Studentenausbildung trägt im wesentlichen Edmund Schramm, ab 1938 nichtbeamteter a.o.Prof.
1940 - Das Spektrum wird um Themen der neueren italienischen Literatur erweitert.
1948-1975 - Ordinariate: Victor Klemperer (1948-49), Joachim Storost (1949-52), Rudolf Besthorn (1953-1975).
1975-1983 - Der "Wissenschaftsbereich Romanistik" wird in die Sektion Sprach- und Literaturwissenschaft eingegliedert (bis 1990). Bereichsleiter sind u. a. Gerhard Paul, Michael Mauderer, Volker Fuchs. Die Ausbildung ist auf das Lehramt Französisch beschränkt. Kein Ordinariat.
1983-1992 - Ordinarius Johannes Thiele.
1986 - Anlässlich des Jubiläums '100 Jahre Romanistik in Greifswald' findet am 2. und 3. Oktober das Kolloquium 'Aktuelle Problemstellungen der romanischen Lexikographie und Lexikologie unter Berücksichtigung der deutschen Sprache als Quellen- und Zielsprache' statt.
1990 - Das Institut für Romanistik wird wieder selbständig. Hispanistik- und Italianistik-Studiengänge sind erneut möglich.
1992 - Nach der Wende werden die Hochschulen in den neuen Bundesländern umstrukturiert. Das Institut erhält vier Lehrstühle, besetzt von den Professoren
Volker Fuchs (Französische und Italienische Sprachwissenschaft),
Peter-Eckhard Knabe (ab WS 1995/96; Französische und Vergleichende Literaturwissenschaft),
Doris Ruhe (ab WS 1994/95; Französische Romanistik/Mediävistik) und
Johannes Thiele (Romanische Sprachwissenschaft).
Im Jahr 1996 wird PD Dr. Reinhard Bach zum außerplanmäßigen Professor ernannt.

Gastprofessuren am Institut:
Im WS 92/93 Jean-Paul Vernon (Université du Maine/Le Mans)
Im SS 1999 Tanguy L'Aminot (CRNS, Paris)
Im SS 2001 Prof. Furio Brugnolo (Universität Padua)

Vom WS 1992/93 bis SS 97 Gastprofessur von Prof. Dr. Karl Ludwig Selig (em. Prof. der Columbia University New York). Prof. Selig wird im Dezember 1996 zum Honorarprofessor der Universität Greiswald ernannt.

1990-99 - Fernstudiengänge Französisch und Spanisch zur Umschulung von Studienräten aus dem Sekundarbereich.
Mai 1996 - Kolloquium aus Anlass des 60. Geburtstag von Prof. Thiele: 'Von der Unklarheit des Wortes in die Klarheit des Bildes?' unter der Leitung von Prof. Fuchs. Ausstellung zur frankophonen Literatur Belgiens im Foyer des Theaters Vorpommern.
Der Tagungsband erscheint 1997.
Oktober 1997 - Seine Exzellenz der französische Botschafter François Scheer besucht am 12. Oktober das Institut.
Juni 1998 - 14. Nachwuchskolloquium der Romanistik zum Thema GeschlechterDifferenzen, organisiert von Katharina Hanau, Volker Rivinius, Anja Schliemann und Sylvia Setzkorn. Der Tagungsband erscheint im Juni 1999.
April 1999 - Gastprofessur Tanguy L'Aminot (CNRS, Paris) im SS 99. Erstmals konstituiert sich ein Fachschaftsrat Romanistik.
Dezember 1999 - Die Neufassung der Institutshomepage geht online.

21. JAHRHUNDERT
SS 2000 - Prof. Dr. Johannes Thiele (Ordinarius für Romanische Philologie) wird festlich in den Ruhestand verabschiedet. Eine Neuausschreibung der Stelle wird mit der Begründung abgelehnt, die Romanistik müsse auf Grund von Stellenkürzungen zukünftig mit drei Professuren auskommen.
SS 2001 - Gastprofessur Prof. Furio Brungoulo (Padua)
WS 2002/03- WS 2003/04 PD Dr. habil. Kerstin Störl vertritt den Lehrstuhl für Romanische Philologie (Französische und Spanische Sprachwissenschaft)
2003 - Prof. Dr. Peter-Eckhard Knabe, Ordinarius für Romanische und Vergleichende Literaturwissenschaft, verstirbt nach langer, schwerer Krankheit. Damit verliert nicht nur die literaturwissenschaftliche Lehre und Forschung der Fakultät einen bedeutenden Vertreter. Eine Neuausschreibung wird nicht genehmigt.
SS 2004 - WS 2004/05 - PD Dr. habil. Cornelia Klettke vertritt den Lehrstuhl für Romanische und Vergleichende Literaturwissenschaft.
2003 - Deutsch-Französische Frühlingsuniversität in Mulhouse
seit WS 2003 - Beteiligung an den Ringvorlesungen zur Sprachwissenschaft (Hg. Prof. A. Koll-Stobbe)
2004 - Deutsch-Französische Sommeruniversität in Greifswald
2005 - Mit dem WS sind lt. Fakultäts- und Senatsbeschluss keine Neueinschreibungen in die noch verbliebenen Fächer der Romanistik mehr möglich. Im Laufe der letzten Jahre waren schon einige der auslaufenden Stellen gestrichen oder anderweitig besetzt worden, so dass bereits vor diesem Beschluss zunächst Fächer mit Spanisch, später auch mit Italienisch nicht mehr zur Neueinschreibung angeboten werden konnten.
Mai 2006 - Internationale Tagung "Stil ist überall - aber wie bekomme ich ihn zu fassen?" unter der Leitung von Volker Fuchs und Kerstin Störl. Der Tagungsband erscheint 2008.
seit WS 2006 - Angebote für General Studies und Master-Studiengänge
SS 2007 - Prof. Dr. Doris Ruhe (Ordinaria für Romanistik/Mediävistik) tritt in den Ruhestand.
2008 - Mit der vorgesehenen Gründung eines Instituts für Fremdsprachenphilologien an der Philosophischen Fakultät geht die Rest-Romanistik in die neue Struktur ein.
April 2008 - Der Lektor Pascal Décarpes organisiert einen mehrtägigen Romanistenausflug zur Biologischen Station auf der Insel Hiddensee
WS 2008/2009 - Prof. Dr. Volker Fuchs tritt in den Ruhestand. Prof. Dr. Bach übernimmt die Leitung der Abteilung Romanistik.
23-25. April 2009 - Prof. Dr. Reinhard Bach und Prof. Tanguy L'Aminot (Université de Paris IV - Sorbonne) organisieren ein internationales Kolloquium zur Rezeption Rousseaus in Deutschland - "Rousseau et l'Allemagne" zu Ehren von Prof. Dr. Volker Fuchs.
30. April 2009 - Der Rektor Prof. Dr. Rainer Westermann überreicht der Abteilung Romanistik im Rahmen eines Frühlingsfestes die Auszeichnung "Familienfreundliche Einrichtung 2008"
4.-7. Juni - Der Lektor Pascal Décarpes organisiert einen weiteren Romanistenausflug auf die Insel Hiddensee.


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Letzte Änderung: 25.03.2013 11:14
Verantwortlich: Karsta Rautenberg


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