Dr. Peter C. Pohl
Lehrstuhl für Neuere deutsche Literatur und Literaturtheorie
Wissenschaftlicher Mitarbeiter
Rubenowstraße 2b, D. 10
17487 Greifswald
Sprechzeiten:
Di 12-13 Uhr
Tel.: +49 (0)3834 86-3449
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Forschungsprojekte und Publikationen
Forschungsprojekt: Chronifizierung des Selbst. Die Poetik freier Zeiten im Bildungsroman (1766-1890)
Der transformative Charakter der Moderne, der geschichtswissenschaftlich von Reinhard Koselleck als das Auseinandertreten von Erfahrungsraum und Erwartungshorizont, philosophisch von Hans Blumenberg als Schere von Lebens- und Weltzeit und von der soziologischen Systemtheorie als Funktionalisierung sozialer Teilbereiche und als Differenzierung von Gesellschaft und Kultur beschrieben wird, führt zu einer Temporalisierung des Selbst, dessen Genese sich nun in einem erweiterten Feld konfligierender Zeitkonzepte vollzieht. Zeitkonflikte nehmen in literarischen Darstellungen von Zeit, in Zeiterfahrungen, -reflexionen und im Darstellungsbewusstsein breiten Raum ein; dass sie zudem maßgeblich zur Entwicklung und Modifikation literarischer Formen beitragen, ist die Hypothese des Forschungsprojekts. Gerade Bildungsromane, dies seine Annahme, nehmen Bezug auf das Auseinandertreten von Erfahrungsraum und Erwartungshorizont, auf zyklische, teleologische und lineare Zeit, auf kulturelle Rhythmen, soziale Planungen und historische Entwicklungen. Was seine Helden erfahren, ist die dem modernen Individuum in Phasen der Selbstausgesetztheit zukommende und subjektphilosophisch legitimierte Freiheit. Diese Frei-Zeiten können zur Muße und Bildung, Kreativität und Selbsterfahrung, aber auch zur Unterhaltung, Müßiggang, Nichtstun, Faulenzen, Dilettieren dienen. Subjektiv-lebenszeitliche Wünsche können ebenso mit genealogischen Erfordernissen und rituellen Traditionen, wie mit administrativen Regulationen und ökonomischen Zwängen kollidieren. Kurzum: Der Bildungsroman reflektiert und problematisiert den soziohistorischen Wandel, indem er Chancen und Risiken moderner Selbsttemporalisierung am Leben seines Zentralcharakters exemplifiziert. Er funktionalisiert sich über eine Poetik freier Zeiten, die das Problem moderner Individualität auf komplexe und genuin literarische Weise angeht. Jedoch sind auch diese Vorhaben gefährdet und gefährlich: Ihre Entstehung und ihr Konsum rauben Zeit.
Forschungsschwerpunkte
- Gender Studies
- Kulturtheorie
- Literarische Moderne
- Mediengeschichte
- Zeittheorie
- Geschichte und Theorie des Romans
Mitgliedschaften
- DGV (Deutscher Germanistenverband)
- IGV (Internationale Vereinigung für Germanisten)
- IZfG (Interdisziplinäres Zentrum für Geschlechterforschung)
- AKHFG (Arbeitskreis historische Frauen- und Geschlechterforschung)
Lehrveranstaltungen
Lebenslauf
Geb. 1977 in Weinheim an der Bergstraße
1998-1999
Studium der Philosophie und Politologie in Heidelberg
2000 - 2004
Studium der Germanistik und Kulturwissenschaft in Bremen und Avignon
2004
Forschungsaufenthalt in Salamanca
2005 - 2009
Promotion über Robert Musil
2006 - 2009
Stipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes
Seit 2006
Lehrbeauftragter der Universität Bremen (Germanistik und Kulturwissenschaft)
Seit 2010
Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Greifswald
Seit 2011
Vorstand im IZfG (Interdisziplinäres Zentrum für Geschlechterstudien)
Institut für Deutsche Philologie
Sekretariat
Petra Westphal
Rubenowstraße 3
Raum 2.12
17489 Greifswald
Tel.: +49 (0)3834 86-3404
Fax: +49 (0)3834 86-3423
philosek@uni-greifswald.de
