Die Inszenierung des Todes in Übersee
Koloniale Sepulkralkultur in Indien (16.-19. Jahrhundert)
Seit dem Zeitalter der europäischen Expansion begegnen sich im asiatischen Raum unterschiedliche Erinnerungskulturen europäischer und asiatischer Provenienz mit jeweils anders gearteten Erinnerungsmotiven und -symbolen. Die kolonialen Friedhöfe in Indien bieten mit ihrem reichen architektonischen Befund vor Ort sowie im Kontext der spezifischen schriftlichen Quellen ein Zeugnis europäisch-kolonialen Selbstverständnisses, welches sich zu einem wesentlichen Teil in der Inszenierung des Todes widerspiegelt; denn durch die deutlich geringere Lebenserwartung der Kaufleute und Missionare in Asien bildete der Tod einen noch unmittelbareren Bestandteil des Alltags als es schon in Europa der Fall war. Dabei unterlagen Sepulkralkultur und Jenseitserwartungen zwischen dem 16. und 19. Jahrhundert einem langfristigen Wandel, der sowohl sozial- als auch kultur- und mentalitätsgeschichtliche Paradigmenverlagerungen aufzeigt.
Auf dem indischen Subkontinent befinden sich gegenwärtig noch zahlreiche europäische Friedhöfe, die allerdings auf Grund des tropischen Klimas sowie menschlichen Einwirkens zunehmend dem Verfall ausgesetzt sind. In dem Wissen um die allmähliche Zerstörung kolonialer Friedhöfe und das Fehlen einer sozial- oder kunstgeschichtlichen Forschung zu diesem Sujet soll mit diesem Forschungsprojekt ein Beitrag zur Ausdifferenzierung unterschiedlicher Erinnerungskulturen in Asien und Europa geleistet werden. Es soll ein Bild nachgezeichnet werden, das Einblicke in koloniale Identitäten und koloniales Selbstverständnis in Übersee im zeitlichen Wandel ermöglicht. Außerdem soll die Bearbeitung des Themas eine Sensibilisierung der Öffentlichkeit in Indien und im europäischen Raum für die Erhaltung dieses kulturellen indo-europäischen Erbes bewirken.
Das Projekte wurde unter der Leitung von Prof. Dr. Michael North von den Projektmitarbeitern PD Dr. Martin Krieger und Alexander Drost, M.A. durchgeführt.
Allgemeine Geschichte der Neuzeit
Prof. Dr. phil. Michael North
Rubenowstraße 2
17487 Greifswald
Tel.: +49 (0)3834 86-3308/-3309
Fax: +49 (0)3834 86-3333
north@uni-greifswald.de
Freitag, 12. April 2013, 10 Uhr c.t.
Veranstaltungsort: Audimax, HS 5
Öffentlicher Vortrag.
Der Eintritt ist frei.
Thomas DaCosta Kaufmann is Frederick Marquand Professor
of Art and Archaeology at Princeton University. He has
published many books and articles, including Court, Cloister
and City: The Art and Culture of Central Europe 1450–1800
(Chicago and London 1995); Toward a Geography of Art
(Chicago and London 2004), and Time and Place: Essays in
the Geohistory of Art (ed. with Elizabeth Pilliod; Ashgate 2005);
(Ost-)Mitteleuropa als Kunstgeschichtsregion? (Leipzig 2006),
and Arcimboldo: Visual Jokes, Natural History, and Still-Life
Painting (Chicago 2009). He is now working on questions of
global exchange in art, and world art history.
